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PolPhysio hinter den Kulissen: Über Leidenschaft, Bürokratie und einen ganzheitlichen Ansatz zur Gesundheit in Bonn

 



Die Gründung eines eigenen Unternehmens im Ausland ist immer eine große Herausforderung, und das Aufeinandertreffen mit der deutschen Bürokratie sowie dem Gesundheitssystem wird für viele Menschen zu einer echten Geduldsprobe. Norbert Polak und Jaroslaw Bak haben jedoch bewiesen, dass die Kombination aus polnischer Flexibilität, hoher Fachkompetenz und echter Leidenschaft für die Arbeit mit Menschen ein Erfolgsrezept ist.


Seit fast fünf Jahren schafft ihre Praxis PolPhysio in Bonn-Beuel einen Raum, in dem professionelle Rehabilitation auf einen empathischen, ganzheitlichen Ansatz zur Gesundheit trifft. In einem ehrlichen Gespräch erzählen sie von den Schwierigkeiten zu Beginn, den Unterschieden in der Arbeit mit polnisch- und deutschsprachigen Personen und davon, warum in der Physiotherapie das aktive Zuhören genauso wichtig ist wie das manuelle Geschick.


Business, Emigration und das deutsche System

Das deutsche Gesundheitssystem und die Krankenkassen sind legendär, was die Bürokratie angeht. Was war für Sie der größte „Zusammenstoß mit der Wand“ (oder einer deutschen Behörde), als Sie die Physiotherapiepraxis in Bonn eröffnet haben?

Jarek:

Die übermäßige Bürokratie sowie das Vorbereiten von stapelweise Dokumenten und Arbeitsgenehmigungen. Hinzu kommt das Auswahlverfahren für Mietobjekte, das man nur schwer gewinnt, wenn man nicht aus Deutschland kommt – uns ist es dennoch gelungen. Die Behörden prüfen die Qualifikationen sehr akribisch. Es werden ausgebildete Fachkräfte nach Deutschland eingeladen, und dann gibt es Probleme mit der Anerkennung von Qualifikationen, Diplomen oder Nachweisen über praktische Stunden. Ganz zu schweigen davon, dass die Übersetzung des Diploms von Personen durchgeführt werden muss, die in Deutschland als vereidigte Übersetzer*innen eingetragen sind.

Norbert:

Bürokratie gibt es überall, aber hier geht es ihr außergewöhnlich gut. Die Behörden arbeiten sehr langsam, und auf eine Antwort wartet man manchmal Monate. Das größte Problem war die Anerkennung meiner Ausbildung – der Anerkennungsprozess dauerte über drei Jahre! In einem Land, in dem von Jahr zu Jahr Fachkräfte fehlen, sind solche Verzögerungen schlichtweg absurd.

Unterscheiden sich Patient*innen in Deutschland von Personen, die sich in Polen behandeln lassen? Mit welchen Erwartungen oder Gewohnheiten kommen lokale Personen zu Ihnen und mit welchen die polnische Community?

Jarek:

Personen aus Polen denken meistens, dass sie – wie in Polen – anders behandelt werden, wenn sie privat für eine Dienstleistung bezahlen. Für uns ist sowohl die Hilfe bei Beschwerden als auch die Patienten wichtig, die zu uns kommt. Oft kommen Menschen zu uns, die mit einer Sprachbarriere zu kämpfen haben und ihre Probleme lieber in ihrer Muttersprache schildern möchten, um sich einfach frei unterhalten zu können.

Norbert:

Ich spüre keinen bedeutenden Unterschied. Jede Person kommt mit einem bestimmten Problem und ihrem eigenen „Gepäck“, und meine Aufgabe ist es, die Rückkehr zur vollen Leistungsfähigkeit zu unterstützen oder Schmerzen zu lindern. Der einzige Unterschied betrifft wohl die Einstellung zur Nacktheit – Deutschland ist eher eine unverkrampfte Gesellschaft mit einem gesunden Verhältnis zur Körperlichkeit. Personen aus Polen müssen öfter ihre Schüchternheit überwinden, während lokale Patient*innen gesundheitliche Themen direkt ansprechen, selbst wenn es sich um schwierige oder unangenehme Themen handelt.

Physiotherapie in Deutschland ist durch Verordnungen (Heilmittelverordnung) stark reglementiert. Gelingt es Ihnen im Rahmen der geltenden Vorschriften, Ihren eigenen, individuellen Therapieansatz einzubringen, oder schränkt das System Ihre Kreativität stark ein?

Jarek:

Als Personen, die beruflich in der Gesundheitsversorgung tätig sind, halten wir uns an die Vorgaben des deutschen Systems und die ärztlichen Verordnungen. Ich konzentriere mich auf die formalen Angelegenheiten, daher würde ich diese Frage eher an Norbert weiterleiten.

Norbert:

Selbstverständlich achten wir immer auf einen individuellen Ansatz, denn jeder Körper ist anders und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Obwohl Krankenkassen und ärztliches Personal ein starres Rehabilitation Protokoll vorgeben, schaffen wir es, die Therapie so anzupassen, dass sie effektiv und personalisiert ist. Wenn man diesen Beruf liebt, lässt man sich vom System nicht „erdrücken“ – hier hilft die polnische Kreativität bei der Suche nach den besten Lösungen.




Dynamik des Duos

Ein Unternehmen zu zweit zu führen, ist entweder eine ideale Synergie oder ein ständiger Kompromiss. Wie teilen Sie die Rollen untereinander auf?

Jarek:

Ich konzentriere mich auf die Arbeitsorganisation der Praxis, das Teammanagement und die Kommunikation zwischen den Patient*innen und dem therapeutischen Personal. Dazu kommen externes Marketing, der reibungslose Ablauf der Zahlungen für Behandlungen, die Buchhaltung sowie die Terminplanung. Wir klären alle formalen Fragen – wie die Therapie aussieht und was wir anbieten können. Das ist mein Bereich. Ich sorge auch für die Atmosphäre in der Praxis, damit sich jede Person bei uns wohlfühlt. Das Team konzentriert sich auf die Hilfe bei verschiedenen Beschwerden. Jede Person hat andere Aufgaben, aber wir ergänzen uns hervorragend.

Norbert:

Jede Person im Team weiß, welche Aufgaben zu erledigen sind, und fühlt sich damit wohl. Ich brauche Mitarbeiter*innen, die mich vom sogenannten Papierkram entlasten, damit ich mich auf die Therapie und die direkte Arbeit konzentrieren kann. Ich denke, das gelingt uns ganz gut.




Wer in Ihrem Duo ist die „Bremse“ und wer das „Gaspedal“, wenn Ideen zur Weiterentwicklung der Praxis entstehen? Wer hat über die Einrichtung der Praxis entschieden?

Jarek:

Die Einrichtung der Praxis war vor allem Norberts Aufgabe. Als Therapeut mit Erfahrung aus vielen Stationen weiß er, wie ein Behandlungsraum aussehen muss, um praktischen Anforderungen zu genügen. Ich kümmere mich um die visuelle Ästhetik und den Komfort im Wartezimmer. Ich achte auf Details sowie thematische Dekorationen, die zur Region NRW passen (Karneval, Feiertage oder andere lokale Anlässe in Bonn und Köln). Das sorgt dafür, dass wir uns mit der lokalen Gemeinschaft identifizieren, was sehr gut ankommt. Gleichzeitig unterstützen wir Initiativen der polnischen Community und fördern sie unter den Personen, die uns in Bonn besuchen. Dadurch bauen wir enge Bindungen auf und pflegen unsere polnischen Wurzeln. Die Personen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, sind hauptsächlich Deutsche oder deutschsprachige Menschen; die polnische Community macht etwa 20 Prozent aus.

Ich habe unzählige Ideen für Marketing und Promotion von PolPhysio außerhalb der Praxisräume. Ich mag Menschen und glaube, dass sich überall eine Gelegenheit bietet, wertvolle Initiativen zu fördern. Daher bin ich wohl das „Gaspedal“ in diesem Duo. Jeder von uns hat seine festen Aufgaben.

Norbert:

Ich bin definitiv die „Bremse“, was in meiner Natur liegt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die voreilige Entscheidungen treffen. Falsche Entscheidungen bei der Unternehmensgründung sind oft der Anfang von Problemen, die später nur schwer zu lösen sind. Hier gibt es keinen Raum für Zufall – Planung und Konsequenz im Handeln sind der Schlüssel zum Erfolg.


Körper, Psyche und Lokalkolorit

Bonn ist eine Stadt der Beamtinnen, Diplomaten und Mitarbeiterinnen internationaler Konzerne. Gibt es so etwas wie ein „Bonner Patienten Syndrom"? Mit welchen Beschwerden kommen die Bewohnerinnen der ehemaligen Hauptstadt am häufigsten zu PolPhysio?

Jarek:

Bonn hatte bis zum vollständigen Umzug der Regierungsbehörden nach Berlin im Jahr 1999 die Funktion der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland inne. Das ist schon recht lange her. Ein spezielles „Syndrom“ gibt es nicht. Viele Stamm-Patientinnen erinnern sich noch an diese Zeiten, aber die meisten haben sich längst mit der Verlegung der Hauptstadt abgefunden.

Die Diagnosen sind sehr unterschiedlich. Wir respektieren die Privatsphäre, daher sprechen wir nicht über Details der Beschwerden. Das Alter der Patientinnen ist ebenfalls verschieden – die älteste Person, die uns regelmäßig besucht, ist 94 Jahre alt, die jüngste 12 (wir arbeiten nicht mit Kleinkindern). Was die Spezifik der Behandlungen angeht, handelt es sich oft um Folgen von Verkehrs- oder Arbeitsunfällen. 

Norbert:

Ich kenne kein solches Syndrom. Wahrscheinlich trauern einige ältere Einwohner*innen dem früheren Status der Stadt bis heute nach, aber nach so vielen Jahren verliert das an Aktualität – die jüngere Generation hat bereits eine andere Perspektive. Von den ehemaligen Ministerien oder Regierungsvierteln sind hauptsächlich Erinnerungen geblieben.Wir haben auch eine große Gruppe von Personen mit neurologischen Herausforderungen oder nach Schlaganfällen. Ein Teil klagt über Schmerzen, die mit übermäßiger körperlicher oder psychischer Belastung sowie beruflichem Stress zusammenhängen. Dazu kann Norbert mehr erzählen.




In der Physiotherapie wird immer lauter über Psychosomatik gesprochen – darüber, dass sich Stress und Migration Spannungen im Körper festsetzen. Besteht Ihre Arbeit manchmal mehr darin, zuzuhören und psychische Last zu nehmen als in der reinen manuellen Therapie?

Jarek:

Das ist ebenfalls eine Frage an Norbert, aber aus meiner Perspektive ist der erste Eindruck im Kontakt entscheidend. Er gibt den Ton an und zeigt Empathie sowie Verständnis für Personen, die mit Schmerzen kommen – oft frisch nach einer Operation. Blickkontakt und Herzlichkeit sind der halbe Erfolg. Das ist meine Aufgabe und die der Personen an der Rezeption – für uns ist die Rezeption das Herzstück der Physiotherapie.

Norbert:

Das Gespräch ist entscheidend – oft ist die Patientin oder der Patient die einzige Informationsquelle über den eigenen Zustand. Wir leben schnell und intensiv, und chronischer Stress hat einen riesigen Einfluss auf die Gesundheit. Manchen Spannungen ist man sich gar nicht bewusst, bis ein Gespräch hilft, die Maßnahmen in die richtige Bahn zu lenken. Kommunikation ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Rehabilitation.


Anatomie von Erfolg und Misserfolg

Alle sprechen gerne über Erfolge, aber aus Fehlern lernt man am meisten. Was war Ihre größte Panne zu Beginn der Tätigkeit in Bonn, über die Sie heute lachen, die Sie damals aber viel Stress gekostet hat?

Jarek:

Ehrlich gesagt gab es keine schwerwiegenden Pannen. Auf die Eröffnung einer solchen Tätigkeit muss man sich gut vorbereiten: Räumlichkeiten, Ausstattung und Patientenstamm müssen auf den Punkt geplant sein. Der größte Stress war damit verbunden, die Marke von Grund auf aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen. Ohne Professionalität kann man alles verlieren. Mit der Zeit tut Mundpropaganda ihr Werk – so baut man Bekanntheit und Loyalität auf.

Norbert:

Ich musste aus eigenen Fehlern lernen und habe trotz Vorbereitung ein paar gemacht (lacht). Mir fällt spontan keine konkrete Situation ein. Ich lerne ständig dazu, die Rolle des Therapeuten mit der des Unternehmers zu verbinden, was für die Unternehmensführung notwendig ist.

Physiotherapie ist ein Beruf mit sehr hohem öffentlichem Vertrauen. Haben Sie schon einmal eine Therapie abgelehnt? Wo liegt die Grenze, die Sie nicht überschreiten?

Jarek:

Die Grenze liegt dort, wo der Respekt vor formalen Regeln fehlt – zum Beispiel, wenn jemand nicht akzeptiert, dass ein Termin mindestens 24 Stunden vorher abgesagt werden muss (andernfalls stellen wir eine Rechnung aus) oder dass eine Zahlungsfrist von bis zu 7 Werktagen gilt. Diese Regeln sind Standard und müssen respektiert werden. Darüber hinaus tolerieren wir keinesfalls Beleidigungen oder jegliche Form von Diskriminierung aufgrund unserer polnischen Herkunft oder unseres Akzents. Das ist für mich eine deutliche Grenze.

Norbert:

In diesem Beruf braucht man viel Empathie. Es ist eine Arbeit mit dem Körper und mit Emotionen, aber das Setzen von Grenzen ist entscheidend – sowohl für die Patient*innen als auch für uns. Ich habe keine drastische Grenzüberschreitung erlebt, obwohl die Arbeit mit Menschen unterschiedliche Situationen mit sich bringt. Trotz Offenheit und Ungezwungenheit achte ich auf absolute Professionalität und erwarte dasselbe von der Gegenseite: Offenheit und Respekt.


Der Körper als Landkarte und Intuition

Man sagt, der Körper lügt nicht. Stellen Sie beim Blick auf Passant*innen in einem Bonner Cafés unbewusste Diagnosen wie zum Beispiel: „Oh, diese Person hat ein Hüftproblem“? Lässt sich das nach Feierabend überhaupt abschalten?

Jarek:

Das ist eine Frage an die behandelnden Personen. Ich begegne Patient*innen in der Stadt oder im Geschäft und kenne sie einfach aus der Praxis. Norbert kann dazu sicher ausführlicher antworten.

Norbert:

Klar! Analyse ist ein fester Bestandteil der Arbeit. Mich hat der Mitmensch schon immer interessiert, und dieser Beruf basiert auf Beobachtung. Das ist eine harmlose „Berufskrankheit“, die aus dem Wunsch zu helfen entsteht und nicht aus dem Bedürfnis, jemanden zu belehren.

Viele Patient*innen erwarten nach Jahren der Vernachlässigung eine „Zauberpille“. Was ist die absurdeste Lüge, die Ihnen direkt ins Gesicht gesagt wird, die Ihre Hände auf der Behandlungsliege aber sofort widerlegen?

Jarek:

Wenn wir schon bei diesem Thema sind: Es gibt verschiedene Arten von Lügen. Aus organisatorischer Sicht betrifft das Termine – die Behauptung, es sei eine andere Uhrzeit vereinbart worden als eingetragen. Zum Glück überprüfen wir das anhand der Kopie des Terminzettels. Fehler passieren, aber alles lässt sich ruhig klären.

Norbert:

Die Frage nach den Übungen zu Hause! Man sieht sofort, ob jemand gewissenhaft trainiert hat. Manchmal resultiert diese „Lüge“ einfach aus einer falschen Einschätzung der Situation ohne böse Absicht. Ein weiterer Klassiker ist die Frage nach Begleiterkrankungen: Die Antwort lautet „keine“, und kurz darauf höre ich eine ganze Liste von Medikamenten gegen Bluthochdruck, Cholesterin oder Diabetes. Ein anderes Thema sind Unstimmigkeiten seitens der Ärztinnen, die Patientinnen sehr oft lieber für eine Operation überweisen, anstatt sie zu uns zur Physiotherapie zu schicken. Viele unserer Patient*innen können sie durch regelmäßiges Training eine Operation vermeiden.



Arbeit mit Energie und Burnout

Die Arbeit mit dem Körper und mit Schmerzen erfordert enorm viel Energie. Wie achten Sie auf Ihre psychische und körperliche Hygiene, um nach einem langen Tag nicht selbst zu Patient*innen zu werden?

Jarek:

Stress baue ich beim Jumping-Training ab – intensive Bewegung schaltet den Kopf nach 12 Stunden Arbeit hervorragend frei. Positiv wirken sich auch Pausen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine zügige Fahrradfahrt, ein gutes Buch und ein Tee am Abend aus. Oft ist schon das Sprechen auf Deutsch über den ganzen Tag hinweg erschöpfend, daher ist mein Weg zur Ausgewogenheit, das Telefon stumm zu schalten und abends Reize zu vermeiden. Meine Akkus lade ich auch bei Spaziergängen und im Kontakt mit der Natur auf.

Norbert:

Sportliche Aktivität hilft mir, den Kopf frei zu bekommen. Manchmal ist es schwer, Firmenangelegenheiten beiseite zu legen, aber ich lerne es. Ich versuche, Arbeits- und Privatzeit klar zu trennen – wenn ich die Praxis verlasse, höre ich auf, Physiotherapeut zu sein, und werde einfach Norbert.

Oft liegt die Ursache eines Problems an einer völlig unerwarteten Stelle des Körpers. Was war die überraschendste Detektivgeschichte in Ihrer Praxis?

Jarek:

Leider kommen auf Verordnungen Fehler bei den Diagnosen vor – zum Beispiel die Kennzeichnung des linken statt des rechten Knies. Das passiert. Deshalb führt das therapeutische Personal vor der Behandlung immer eine gründliche Anamnese durch. Man muss bedenken, dass eine Massage allein nicht jedes Problem löst – der Schlüssel zum Erfolg sind passend ausgewählte Übungen.

Norbert:

Solche Situationen kommen häufiger vor, als man denkt. Der Körper ist ein komplexer Mechanismus, und nur ein ganzheitlicher Ansatz führt zum vollen Erfolg.


Perspektive von Migration und Kultur

Deutschland ist bekannt für die Liebe zu Sport, Natur und Ordnung. Ist die durchschnittliche Person in Deutschland körperlich fitter und bewusster im Umgang mit dem eigenen Körper als in Polen?

Jarek:

Einwohnerinnen in Deutschland gehen sehr regelmäßig zu Ärztinnen – manchmal sogar zu oft, daher die Wartezeiten in den Praxen. Die Einstellung zur Gesundheit ist unterschiedlich: Die einen achten auf Ernährung und Bewegung, die anderen weniger. Pünktliche Personen, die die vereinbarte Zeit respektieren, sind für uns eine große organisatorische Stütze. Was die Vorbereitung auf den Termin angeht (Hygiene, Einstellung), kann man sagen, dass Personen aus Polen ihr ganzes Ritual für den Arzt- oder Reha-Besuch haben. Sie zeigen oft eine größere Sorgfalt, während lokale Patient*innen in dieser Hinsicht manchmal unbefangener sind. Aber ich möchte das auch nicht verallgemeinern.

Norbert:

Dieses veraltete Klischee stimmt so nicht mehr – in Polen hat sich die Einstellung zur Gesundheit ebenfalls stark verändert. Unterschiede ergeben sich eher aus der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation als aus der Nationalität. Die Generationen der Millennials oder Gen Z gehen an diese Themen ganz anders heran als ältere Jahrgänge. Ich meine damit, dass Jüngere ein größeres Bewusstsein dafür haben, wie wichtig Sport und ein gesunder Lebensstil sind. Sie wissen, dass sie sich bei bestimmten Problemen an Physiotherapeut*innen wenden können, während Ältere oft nicht das Bewusstsein haben, dass es neben Tabletten und Arztbesuchen auch uns gibt.

Hat die deutsche Sprache für Sie therapeutische Eigenschaften? Fällt es leichter, über schwierige Themen auf Deutsch zu sprechen, oder bietet die Muttersprache doch mehr Intuition?

Jarek:

Kommunikation ist entscheidend. Wenn Patientinnen kein Deutsch sprechen, bitten wir um die Anwesenheit von Dolmetscherinnen (z. B. bei älteren Eltern), da eine präzise Anamnese die Grundlage ist, um die Ursache des Problems zu finden.

Norbert:

Im Alltag nutze ich häufiger die deutsche Sprache – in ihr bilde ich mich weiter, lese Fachliteratur und Branchen Artikel und Zeitungen. Deshalb fällt mir die Fachsprache auf Deutsch leichter. Wenn es jedoch um Emotionen und Intuition geht, bleibt die polnische Sprache natürlicher.


Alltag in Bonn und Visionen

Wohin schicken Sie Patient*innen in Bonn für einen „gesunden Spaziergang“, und welche Orte raten Sie wegen schlechter Infrastruktur zu meiden?

Jarek:

In Bonn haben wir den wunderschönen Freizeitpark Rheinaue und reizvolle Wege entlang des Rheins. Einmal im Jahr nehmen wir am Projekt 7 auf einen Streich teil, der vom Ski-Club Bad Honnef organisiert wird – das ist eine Strecke von etwa 26 km über die sieben umliegenden Berge. Wir ermutigen Patient*innen, an solchen Events teilzunehmen. Aufpassen muss man jedoch auf unebene Beläge und löchrige Gehwege in einigen Stadtteilen oder auf Unfälle durch unvorsichtiges Fahren im öffentlichen Nahverkehr.

Norbert:

Das kann ich bestätigen! Es lohnt sich, die „Betonwälder“ zu verlassen und die Natur zu genießen, die Bonn direkt vor der Haustür hat. Seit Kurzem ist mein Lieblingsweg der Radweg entlang des Flusses Sieg.

Bleibt die Arbeit nach dem Abschließen der Praxis drinnen, oder begleitet Sie Sie in der Freizeit? Wie sieht Ihre Work-Life-Balance aus?

Jarek:

Wenn man sich um die Organisation kümmert, ist es schwer, das Denken an die Planung komplett abzuschalten, aber ich versuche, Norbert nach Feierabend nicht mit Firmenangelegenheiten zu belasten. Ich schätze die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben sehr. Ich mag es nicht, wenn Bekannte mich auf meiner privaten Nummer anrufen, um Termine zu buchen – in der Praxis haben wir schließlich offizielle Nummern und eine E-Mail-Adresse. Klare Grenzen ermöglichen mir Ausgewogenheit und psychische Hygiene.

Norbert:

Ich lerne, Trennlinien zwischen Privat- und Berufsleben zu ziehen, und das gelingt mir immer besser. Die Arbeit verlässt immer seltener die Praxisräume.



Geschichten aus der Praxis und die Zukunft

Was war die spektakulärste Geschichte einer Rückkehr zur Beweglichkeit, die Ihnen das Gefühl gegeben hat: „Ja, genau dafür machen wir das“?

Jarek:

Eine positive Einstellung der Patient*innen ist von enormer Bedeutung. Es ist eine große Freude, am Ende der Therapie ein ehrliches „Danke, der Schmerz ist weg“ zu hören. Das gibt das Gefühl einer gut erfüllten Mission. Wenn wir Lob über Sauberkeit, Professionalität und die angenehme Atmosphäre hören, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Norbert:

Ich erinnere mich besonders an einen Patienten, der nach einem Schlaganfall fast ein Jahr lang ans Bett gefesselt war und dessen Prognosen zurückhaltend waren. Nach einigen Monaten intensiver Arbeit stand er auf den Beinen und begann selbständig zu gehen. Solche Momente entschädigen für alle Mühen.

Wenn Sie sich selbst am Tag der Praxiseröffnung einen Rat geben könnten, welcher wäre das?

Jarek:

Im September feiern wir das 5-jährige Bestehen der Praxis. Wir haben das Vertrauen vieler Menschen gewonnen. Ich würde dazu raten, sich nicht auf eine einzige Zielgruppe zu beschränken und sich flexibel um das Team zu kümmern – ein zufriedenes Team ist der Erfolg der gesamten Einrichtung.

Norbert:

Ich würde mir mehr Geduld und weniger Stress wegen Dingen wünschen, auf die wir keinen direkten Einfluss haben.

Stellen Sie sich Ihre Praxis in 5 Jahren vor. Sehen Sie ein Netzwerk von Standorten oder ein gemütliches, handwerkliches Refugium der Gesundheit?

Jarek:

Unsere Stärke liegt darin, dass wir unsere Patient*innen kennen und sie uns kennen. Das baut Bindungen auf. Wir konzentrieren uns auf Qualität, aber ich schließe nicht aus, dass die Marke PolPhysio in 5 Jahren von mehreren Orten in NRW gebildet wird. Die Zeit wird es zeigen.

Norbert:

Ich habe nie angestrebt, eine massive Physio-Kette aufzubauen. Mir liegt an einer gemütlichen Atmosphäre, in der sich Mitarbeiterinnen sowie Patientinnen sicher fühlen. Ich stecke meine Energie lieber in die Therapie und bin nah am Menschen, als mich ausschließlich auf die Rolle des Unternehmers zu konzentrieren.






Über die Praxis PolPhysio

Die Physiotherapiepraxis PolPhysio besteht seit fast 5 Jahren im Bonner Stadtteil Bonn-Beuel. Gründer der Praxis ist Norbert Polak, die Position des Praxismanagers hat Jarosław Bąk inne. Gemeinsam schaffen sie einen freundlichen Ort für die deutsch- und polnischsprachige Gemeinschaft in Bonn und Umgebung.

PolPhysio arbeitet mit allen Krankenkassen in Deutschland zusammen und empfängt auch Privatpatient*innen. Die Spezialisierung der Praxis liegt in der orthopädischen und neurologischen Rehabilitation.

Wir bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Therapien und Behandlungen an und arbeiten mit allen Krankenkassen in Deutschland sowie mit Privatpersonen zusammen. Unsere Spezialisierung liegt in der Rehabilitation von Patientinnen mit orthopädischen und neurologischen Erkrankungen. Die Physiotherapeutinnen führen klassische individuelle Krankengymnastik oder Übungen an modernen Geräten (KG-Gerät), Elektrotherapie, Manuelle Therapie (MT) sowie Wärmetherapie (z. B. Fango) durch.


Was ist Naturmoor Fango?

Es handelt sich um ein natürliches Heilmittel aus einer Kombination von Torf (Naturmoor) und vulkanischer Erde (Fango), das in Form von warmen Packungen zur Schmerzlinderung und Reduzierung von Entzündungen im Körper angewendet wird. Es lockert verkrampfte Muskeln hervorragend und verbessert die Durchblutung. Naturmoor liefert zusätzlich pflanzliche Wirkstoffe und bietet eine sanftere sowie tiefere Wärmetherapie als herkömmliche Fangoparaffin. Bei PolPhysio wird es in Form von warmen Kompressen angewendet, die in durchlässige Schichten verpackt sind.

Unsere Mitarbeiterinnen spezialisieren sich zudem auf Beckenbodengymnastik bei urologischen Erkrankungen (Beckenboden) sowie auf die Therapie des Kiefergelenks (CMD). In unserer Praxis bieten wir auch lymphdrainierende Massagen von 30, 45 oder 60 Minuten Dauer (MLD) und viele weitere Behandlungen an, die individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen abgestimmt sind.


Angebot und Leistungsspektrum:

  • Krankengymnastik: Individuelle Krankengymnastik sowie gerätegestützte Krankengymnastik (KG-Gerät)

  • Manuelle Therapie (MT) & Elektrotherapie

  • Wärmetherapie: u. a. Packungen mit Naturmoor Fango (Kombination aus Naturtorf und Vulkanerde zur Muskellockerung und Entzündungshemmung)

  • Beckenbodentraining: Beckenbodengymnastik bei urologischen Erkrankungen (Beckenboden)

  • Kiefergelenkstherapie: Behandlungen bei craniomandibulärer Dysfunktion (CMD)

  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): Einheiten zu 30, 45 und 60 Minuten

Weitere Informationen & Terminbuchung:

  • 🌐 Website: www.polphysio.de

  • 📱 Facebook: PolPhysio



Bilder im Artikel: Eigentum – PolPhysio Praxis Privatgalerie


Matt Czyczerski
NRW PO POLSKU
m.czyczerski@nrwpl.de

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